20 Minutes with
Herz & Blut

Jules Villbrandt über sattgesehen Interior-Pieces, Ideen für deine Wohnung und den Berliner Wohnungsmarkt

Die Bilder von Herz & Blut sind digitale Sehnsuchtsorte. "Da will ich hin. Das will ich haben. So will ich sein.", sind nur ein paar Sätze, die beim Durchschauen der Galerie des Blogs in den Kopf kommen. Herz & Blut, das sind Jules Villbrandt, ihre Schwester Maria-Silva Villbrandt, und Wilkin Schröder. Sie machen Fotos, die wie für Pinterest gemacht scheinen, schreiben Reise-Guides, entwickeln Rezepte, und erzählen Geschichten über Kunst, und Interior. Gleichzeitig haben die drei ein Kreativstudio gegründet: Maison Palmė ist für den visuellen Inhalt zuständig – ob für Artikel, größere Projekte, oder Markenkooperationen. Maison Palmės Stillleben gehen international viral. Manchmal wirken sie wie drapierte Ölgemälde, manchmal wie surreale Skuplturen, aber immer treffen sie ins Bunte. Denn ins Schwarze trifft Herz & Blut eigentlich nie. Hier geht es um Farben, Maximalismus, und Lebensfreude. So auch in der selbstrenovierten Weddinger Altbauwohnung, in der die Herz & Blut Gründerin Jules mit ihrer Familie wohnt. Im Alleingang haben die Interior-Bilder aus dem Berliner Norden neue Wohntrends auf Social Media gesetzt.

Wir haben uns mit Jules unterhalten – über sattgesehen Interior-Pieces, einfache Aufwertungsideen für deine Wohnung, und den Berliner Wohnungsmarkt.

Nele Tüch: Wie der Name schon verrät, war der Blog früher ein Herzensprojekt. Seit einiger Zeit könnt ihr davon leben und seid sogar ein Dreier-Team. Was würdet ihr jungen Menschen raten, die mit dem Schritt in die Selbstständigkeit hadern?
Jules Villbrandt: Einfach machen ist die Devise. Man muss sich selbst die Angst nehmen, nur wenn man etwas probiert, weiß man am Ende, ob es klappt. Natürlich gilt das nicht immer und überall. Selbstständigkeit in Deutschland ist zwar mit viel Bürokratie verbunden, aber es lohnt sich diesen Schritt zu wagen, denn es ist wirklich super sein*e eigene*r Chef*in zu sein. Also nicht so viel überlegen, sondern einfach anfangen. Vieles kommt dann von ganz allein.

 

NT: Ihr seid Spezialist*innen für Wohnungen und Interior – was ist euer Tipp, um sich richtig einzurichten? Ganzheitliche Konzepte mit Pinterest Moodboards oder sich nach und nach mit Lieblingsteilen eindecken?
Jules Villbrandt:
Moodboards sind eine wunderbare Inspirationsquelle. Pinterest ist hier natürlich eine ideale Plattform. Früher haben wir uns aus Zeitschriften ein analoges Moodboard zusammengestellt. Auch auf Reisen lieben wir es uns inspirieren zu lassen. Wir sind Fans der großen und kleinen Veränderungen.


NT: Wie einfach kann man selbst Hand anlegen und seine Wohnung mit kleinen Tricks aufwerten?
Jules Villbrandt: Manchmal macht einfach ein neues (Designer)Möbelstück oder neue Farben so viel aus. Auch in Mietwohnungen kann man Mut zur Farbe bekennen und Türzargen und Türblätter streichen, das wirkt Wunder. Bildergalerien neu zu hängen oder ein großes Bild im Raum aufzuhängen sorgen für einen großen Unterschied.

NT: In der Mode reden wir sehr viel über Nachhaltigkeit – wie ist das eigentlich beim Thema Interior?
Jules Villbrandt:
Das Thema Nachhaltigkeit wird natürlich auch im Interior Kontext immer größer. Recycelte Materialien spielen zunehmend eine Rolle. Auch im Bereich der Holzverarbeitung werden immer mehr Informationen kommuniziert. Im Heimtextilbereich wird zunehmend auch auf Ökostandards geachtet. Viele Interiorbrands produzieren auch ganz bewusst nur in Europa, um lange Lieferketten zu vermeiden und setzen so neue Standards.

 

NT: Was ist der spannendste aktuelle Interior-Trend?
Jules Villbrandt:
Travertine ist das neue Marmor und bunt ist das neue Beige.

 

NT: Ein Design-Klassiker, den ihr nicht mehr sehen könnt:
Jules Villbrandt:
Um ehrlich zu sein, das Togo von Ligne Roset ist ein wenig übersehen  

 

NT: Ein Interior-Piece, das zum Design-Klassiker avancieren sollte:
Jules Villbrandt:Der Friedrich Spiegel von OUT (Objekte unserer Tage). Er ist einfach legendär!

NT: In Berlin ist die Wohnungssituation gerade noch angespannter als sonst – die Pandemie trifft auf den gekippten Mietendeckel. Was macht das mit der Stadt und ihren Kreativen?
Jules Villbrandt:
Die Frage ist gut. Die Mietpreise für Studios und Ateliers sind ebenfalls sehr gestiegen, weswegen es ein richtiger Hustle ist an halbwegs zentrale Orte zu kommen. Aber viele Künstlerinnen, Künstler und Kreative zieht es dann an den Stadtrand. Das ist leider der Lauf der Dinge, aber so werden auch ganz neue Stadtteile und Orte spannend. Langfristig wird sich sicherlich viel verlagern und verändern.

 

NT: Uns ist innerhalb des letzten Jahres noch einmal bewusst geworden, wie wichtig die eigenen vier Wände sind und wie essentiell bezahlbarer Wohnraum ist. Habt ihr persönliche Wohnungssuch-Geschichten – ob Horror-, oder Glücksfund-Story – die ihr mit uns teilen möchtet?
Jules Villbrandt: Wir leben schon lange in Berlin und haben glücklicherweise alte Mietverträge. Maria hat das Glück in einem Genossenschaftshaus zu leben, sodass wir zum Glück save sind. Wilkin wohnt in Brandenburg in einem Haus. Wir sitzen alle wie die Königinnen und Könige auf unseren Wohnungen und geben diese nicht her. Leider wissen wir, dass der Wohnungsmarkt derzeit eine absolute Katastrophe ist. Wir wünschen uns so sehr, dass sich hier etwas ändert.

 

NT: Was bedeutet Freiraum für euch und wo könnt ihr ihn finden?
Jules Villbrandt:
Freiraum ist überall, wo wir uns wohlfühlen. Im Garten der Eltern oder Daheim oder beim Spaziergang durch Berlin. Wir sind froh in einem so freien Land leben zu können.